Man fühlte sich in dieser Woche ein wenig wie in einer neuen Fußball-Soap. “Guter Jogi, schlechter Jogi”, oder so ähnlich. Es fällt nicht leicht, den Überblick zu behalten, wer wann was zu wem gesagt hat. Nach dem “Warum” fragt erst keiner. Zuerst kritisiert Michael Ballack den Nationaltrainer Jogi Löw, er nimmt Torsten Frings in Schutz, zeigt Verständnis für Kevin Kuranyi und gräbt auch noch den Fall Christian Wörns aus irgendeiner Kiste. Ich hatte schon verdrängt, dass der überhaupt mal in der Nationalmannschaft gespielt hat, aber da kommen ganz dunkle Kapitel deutscher Fußballgeschichte wieder hoch. Carsten Ramelow, Erich Ribbeck, Carsten Jancker und so. Der omnipräsente Franz Beckenbauer meinte, die Nationalspieler sollen nicht so mimosenhaft agieren sondern einfach Fußball spielen. Und Lothar Matthäus, der gerne Franz Beckenbauer wäre, hat sich auch aus irgendwelchen dubiosen Gründen berufen gefühlt, seinen Senf zu dem Thema dazuzugeben.
Der Capitano scheint aber eingesehen zu haben, dass er ein wenig über das Ziel hinausgeschossen ist und möchte ein Treffen mit dem Bundestrainer arrangieren, sein Vereinstrainer Scolari verbietet ihm aber die Reise über den Ärmelkanal. Das Treffen wird aber in Deutschland stattfinden, wenn Ballack wieder reisefähig ist. Der hat gestern Abend aber bereits zurückgerudert und in einer Pressemitteilung angekündigt, sich bei Löw entschuldigen zu wollen. Vielleicht können wir in einer Woche an dieser Stelle bereits über das Happy End berichten. ‘54, ‘74′, ‘90, 2010 und so!
An diesem 9. Spieltag wich die DFL wieder vom kassischen 1-6-2-System ab und begann mit einem verstärkten Sonntag im 1-5-3. Am Freitag abend stand das Rheinderby Leverkusen (rechtsrheinisch) gegen Köln (linksrheinisch) unter zwei ganz besonderen Vorzeichen. Kölns Trainer Daum hat bis zu der Kokain-Affäre große Erfolge in Leverkusen gefeiert und Leverkusens Top-Stürmer Helmes, der letzte Saison noch den Effzeh gemeinsam mit Novakovic zum Aufstieg geschossen hatte, kündigte an, bei einem Tor gegen Köln in Lukas-Podolski-Manier nicht zu jubeln, was etwas Unverständnis bei seinem Trainer Bruno Labbadia hervorrief. Gut, Lukas Podolski wurde bei seinem Tor für die Bayern gefeiert, Patrick Helmes bei jedem Ballkontakt ausgepfiffen.
Die Bayern drehten am Samstag völlig verdient das Spiel gegen Wolfsburg nach 0:2-Rückstand ohne den sprichwörtlichen Dusel, so dass – zumindest nach unserem Kenntnisstand – alle Mitarbeiter von bayern.tv ihre Anstellung behalten haben. Die Bayern haben allerdings in dieser Saison bereits 15 Gegentore eingeschenkt bekommen, zum selben Zeitpunkt der vergangenen Saison waren es erst drei! Es sein noch angemerkt, dass nach dem verletzungsbedingten Ausfall von Luca Toni alle vier Bayern-Tore durch Mittelfeldspieler erzielt wurden.
Auch Frankfurt drehte das Spiel in Cottbus nach 0:2 und damit scheint der umstrittene Trainer Funkel doch wieder etwas fester im Sattel zu sitzen. Hans Meyer feierte mit dem 1:0 gegen Karlsruhe eine gelungene Rückkehr nach Gladbach, die damit den Anschluss an den Rest der Mannschaften schaffte. Bremen und Schake verpassten allerdings durch die Unentschieden gegen Bielefeld beziehungsweise in Hannover den Anschluss an die Tabellenspitze, wo es am Sonntag zum Duell zwischen Traditionsmannschaft Hoffenheim und Bundesligagründungsmitglied Hamburg kam.
Ich erspare mir an dieser Stelle das erneute Gejammer um Ibišević und das kicker Managerspiel. Jener traf nämlich beim überraschend klaren 3:0 des starken Aufsteigers gegen den chancenlosen HSV. Damit übernimmt Hoffenheim die Tabellenspitze mit einem Punkt Vorsprung vor Bayer Leverkusen. Das “Projekt Hoffenheim” könnte nun zum Selbstläufer werden.
Der VfL Bochum musste in Stuttgart antreten und wollte dort die katastrophale Bilanz ein wenig aufpolieren. Der letzte VfL-Sieg datiert aus dem Jahr 1989. Die einschlägige Presse wird den Bochumern sicherlich wieder einen “couragierten Auftritt” bescheinigen, am Ende stehen allerdings wieder null Punkte. Dabei war es eigentlich ganz einfach, in Stuttgart zumindest ein Unentschieden herauszuholen. Der VfB spielte ideenlos und ohne Zug nach vorne, die Bochum ging agressiv in die Zweikämpfe und störte früh und bis zur 80. Minute hatte man das Gefühl, dass das Spiel irgendwie nach hause geschaukelt wird. Doch dann offenbarte Christoph Dabrowski eklatante Mängel in der Ballannahme, setzte nicht nach und Mario Gomez macht das vorentscheidene 1:0. Das 2:0 wieder durch Gomez drei Minuten später war dann im Endeffekt auch egal. Jetzt geht es gegen Hoffenheim, dann nach Dortmund und danach kommt Werder Bremen ins Ruhrstadion (man verzeihe mir diesen kleinen Anflug von Nostalgie). Und es kann ganz schnell gehen, dass der VfL in zwei Wochen immernoch mit sieben Punkten darsteht. Man muss kein Prophet sein, dass dann Marcel Koller nicht mehr auf der Bank Platz nehmen wird.
