Murmeltierspieltag? Ich glaube schon… Der VfL spielt wieder unentschieden, Ibisevic trifft wieder (ich sag nur “kicker-Managerspiel”) und wegen der sieben Spiele am Samstag gab es wieder eine leicht verlängerte Sportschau. Doch halt! Es gibt diesmal keine Pressemitteilung der ARD. Reicht das vielleicht als gutes Omen für den VfL? Wahrscheinlich nicht, aber man klammert sich ja an jeden Strohhalm.
Am Freitag trafen mit Hannover und Bochum zwei Mannschaften aufeinander, deren Selbst- und Fremdeinschätzungen vor der Saison eher “gesichertes Mittelfeld” lauteten. Mit einem Sieg hätte Hannover auch den Anschluss an eben jenes wieder herstellen können, für Bochum war ein Sieg schon fast (über-)lebenswichtig, waren die Bochumer doch bereits seit acht Spielen in Folge ohne dreifachen Punktgewinn. Trainer Marcel Koller forderte vor dem Spiel daher auch einen “dreckigen Sieg”. Seine Mannschaft spielte auch in der ersten Hälfte engagiert nach vorne, besonders Ex-Hannoveraner Vahid Hashemian machte einen sehr agilen Eindruck. In der Mannschaft gibt es ja die Regel, dass der, der gegen seinen ehemaligen Verein gewinnt, ein Mannschaftsessen ausgibt. Das dann wohl nicht in seinem Heim stattgefunden hätte, wurde sein Esstisch doch letztens bei ebay eingestellt. Es beruhigt doch zu sehen, dass auch Fußball-Profis das Problem haben, die ganzen Kabel von DSL-Modem, Router und Konsorten gescheit zu verstecken. Aber zurück zum Spiel. Hannover trat mit einer Not-Innenverteidigung mit Eggimann und dem Ex-Bochumer Frank (Ge-)Fahrenhorst an. Letzterer musst dann allerdings bereits nach 18 Minuten mit einer Oberschenkelverletzung vom Platz, für ihn kam mit Yankov ein Mittelfeldspieler, so dass Christian Schulz auf die frei gewordene Innenverteidigerposition rückte. Und man merkte, dass diese neu formierte Abwehr alles andere als eingespielt war. Ein ums andere Mal gab es Missverständnisse und sehr unsouveränes Herauspöhlen von Bällen durch Innenverteidiger und Torwart. Zur Halbzeit stand es dann noch 0:0, mit leichten Vorteilen für den VfL.
Hannover kam dann etwas besser aus der Pause, doch dann standen die Torhüter im Mittelpunkt. Zuerst patzte Fernandes, indem er im Luftkampf im Fünfmeterraum nicht entschlossen genug zu Werke ging, so dass Schlaudraff zur 1:0-Führung einschießen konnte. Und nur vier Minuten später setzte sich Paul Freier auf rechts durch und flankte eher ungeglücklich, doch Fromlowitz schaffte es irgendwie, diese harmlose Flanke (die auch am Tor vorbei gegangen wäre) ins eigene Tor zu bugsieren. Marcel Koller tat dann das, was er sonst nicht macht: früh auswechseln. Half aber alles nichts. Kaloglu und Miecel versiebten zwei gute Chancen, Freier setzte einen Ball neben das Tor. Bemerkenswert war nur noch die Herausstellung von Marcel “Alpenvulkan” Koller: Er legte sich mit dem vierten Offiziellen an und musste auf die Tribüne.
Was bleibt festzuhalten?
- Der VfL braucht noch 8 Punkte aus den letzten vier Spielen (zuhause gegen Berlin, Hamburg und Köln und auswärts in Frankfurt). Das ist nicht unmöglich.
- Es gibt genau zwei Spielzüge. Oder sagen wir besser: “Spielzüge”. Variante 1: die Abwehr spielt sich den Ball ein paar Mal in der eigenen Hälfte hin und her und dann kommt der Sören-Colding-Gedächtnis-Pass von Maltritz oder Yahia an den gegenerischen Strafraum, wo dann der jeweilige Stürmer das Kopfballduell verliert und in 90 % der Fälle der Ball beim Gegner landet. Variante 2: Sehr ähnlich zu Variante 1, allerdings sind hier die Außenverteidiger involviert, indem sie aus dem Halbfeld eine hohe Flanke an den gegnerischen Strafraum spielen. Ergebnis: Siehe Variante 1.
- Werden eigentlich keine Ecken trainiert? Von 14 Ecken, die von Azaouagh getreten wurden, war genau keine gut. Entweder kamen sie zu kurz und zu langsam an den Fünfmeterraum oder sie kamen zu hoch und zu langsam in die Mitte.
- Drei Punkte aus den Spielen gegen Bremen, Dortmund und Hannover hätte ich vor der Saison bedenklos genommen.
- Man klettert einen Platz in der Tabelle.
Waren die Bayern letzte Woche noch Gewinner des Spieltags, sah am Samstag auch alles nach dem fortgesetzten Angriff der Münchener auf die Tabellspitze aus. Nach einer 2:0-Führung in Gladbach sollte ja eigentlich nichts mehr passieren. Doch es passierte genau das, was auch im Heimspiel gegen Bochum passiert ist. Der Underdog schoss noch den überraschenden Ausgleich und die Tabellspitze ist wieder drei Punkte weit weg. Schalke verlor nach dem Heimspiel gegen eben diese Bayern in der letzten Woche auch das nächste Spitzenspiel in Leverkusen mit 2:1. Für die Knappen gilt es jetzt, ihren Platz in der Tabelle zu finden. Wie war das noch? 9 von 10 Saisons muss die Champions League drin sein? S04 muss aufpassen, nicht den Anschluss an die UEFA-Cup-Plätze zu verlieren.
Eben diesen scheint der BVB wieder hergestellt zu haben. In einem merkwürdigen Spiel besiegte man Eintracht Frankfurt mit 4:0. Auch Werder Bremen machte einen Schritt aus der Krise und holte mit dem 3:1 am Sonntag den Effzeh erstmal aus dessen UEFA-Cup-Träumen. Und eigentlich ohne dass es jemand richtig gemerkt hat, schleicht sich die Alte Dame Hertha in Richtung Tabellenspitze. Und am nächsten Samstag geht es nach Bochum. Aber ihr wisst ja, Murmeltier und so. Es geht 1:1 aus und es ändert sich nichts. Außer, dass nur drei Spiele da sind, aus denen dann sieben Punkte geholt werden müssen.
Update: Immerhin ist die Eckball-Schwäche auch Marcel Koller aufgefallen:
Fast noch ärgerlicher aber sind die regelmäßig wirkungslos verpuffenden Standardsituationen. Selbst Marcel Koller, der darüber üblicherweise nicht gerne redet, äußerte diesmal sein Missfallen. „Wir trainieren das. Und es kann nicht sein, dass von 14 oder 15 Eckbällen nur einer ankommt”, sagte der VfL-Trainer. Tatsächlich brachten es die Bochumer in Hannover auf ein Eckenverhältnis von 14:5 und waren in diesem Punkt ähnlich dominant wie im Heimspiel gegen Leverkusen. Heraus gekommen dabei ist jedoch weder in der einen noch der anderen Partie etwas. Quelle: DerWesten
