Unter der Woche suchte Bochums Trainer Marcel Koller noch den Kontakt mit den Fans und stellte sich den kritischen Fragen. Gebracht hat es im Endeffekt dann doch relativ wenig, einzig einen VfL-Schal wollte der Schweizer beim Spiel tragen, und den dann auch im Falle eines Sieges nicht wieder ausziehen. Im Vergleich zum Hertha-Spiel am letzten Samstag baute Koller die Mannschaft dann auch noch auf vier Positionen um. Die beiden Außenverteidiger Bönig und Pfertzel durften gleich auf der Tribüne Platz nehmen und wurden durch Fuchs (links) und Schröder (rechts) ersetzt. Nur auf die Bank mussten Kaloglu und Azaouagh, für die Epalle und der wieder genesene Sestak in die Partie kamen.
Es entwickelte sich in der ersten Halbzeit ein Spiel mindestens auf Augenhöhe. Der VfL hielt gut dagegen, erarbeitete sich Chancen und Sestak hämmerte dann auch den Ball zur verdienten 1:0-Führung in die Maschen. Premiere Reporter Lindemann hat vor dem entscheidenden Freistoß kein Foul gesehen, in Hoffenheim gab es am Samstag allerdings für ein geringeres Vergehen Elfmeter. Das Glück war allerdings auf Bochumer Seite, dass Schiedsrichter Dr. Felix Brych das Tor von Guerrero wegen Handspiels aberkannte, war aber keins. Yahia musste dann kurz vor der Pause verletzungsbedingt raus, für ihn kam Mavraj.
Die zweite Hälfte gehörte dann zuerst den Hamburgern, die einen unheimlichen Druck auf das Bochumer Tor aufbauten, und – als hätte man es geahnt – dann auch durch den eingewechselten Olic zum verdienten Ausgleich kamen. Aber der VfL steckte nicht auf und hatte durch Fuchs, Epalle und Sestak, der schon Frank Rost umspielt hatte, dann aber nur den Pfosten traf, noch einige gute Chancen zum Siegtreffer. Es bliebt dann beim Unentschieden, die Mannschaft schlich mit hängenden Köpfen in die Ostkurve, der Einsatz und die meiner Meinung nach beste Saisonleistung (und diesmal nicht nur eine Halbzeit lang) wurde von den Fans mit “VfL, VfL”-Rufen gewürdigt. Aufstellung, Einsatz und Spielanlage gingen diesmal in Ordnung, warum Paul Freier allerdings immer wieder von Anfang an spielen darf, ist mir ein Rätsel. Marcel Koller sprach unter der Woche davon, dass er Spielpraxis bräuchte. Bringt aber nix, wenn man jedes Spiel dadurch mit allerhöchstens zehneinhalb Mann bestreitet.
Kapitän Zdebel fand nach dem Spiel erfreulich deutliche Worte. Man dürfe sich jetzt nicht auf die Schulter klopfen ob der couragierten Leistung, das Unentschieden sei im Endeffekt zu wenig. Auf die Frage, ob Marcel Koller der richtige Trainer sei, antwortete er nur, dass er nicht in der Position sei, darüber zu entscheiden und es andere Leute im Verein gäbe, die dafür verantwortlich wären. Ein klares Bekenntnis des Kapitäns zum Trainer sieht in meinen Augen anders aus.
Dass man mit elf Punkten nach dem 15. Spieltag nicht abgeschlagen am Tabellenende, sondern auf dem Relegationsplatz steht, ist einzig und allein der Schwäche der restlichen Teams geschuldet.
Werder Bremen hat sich unter dessen so aus der Krise geschossen, wie sich eigentlich nur Werder Bremen aus einer Krise schießen kann. Im 5:0 gegen Frankfurt lag eine Menge Frust aus dem Unentschieden gegen Famagusta und der Niederlage gegen den HSV. So ist zumindest der Kontakt zu den UEFA-Cup-Plätzen wieder hergestellt.
Die Bayern schreiten nach dem nächsten Big-Point gegen Leverkusen weiter mit Siebenmeilenstiefeln der Tabellenspitze entgegen. Am nächsten Freitag kommt es dann zum Showdown um die Herbstmeisterschaft, wenn Hoffenheim in der Allianz-Arena zu Gast ist. Ich wüsste da ja auch schon einen Schiedsrichter, der würdig wäre, dieses Duell zu pfeifen: “Django” Metzen!
Auf Schalke wird es langsam ungemütlich. Die Fans haben sich jetzt nach Altintop, Rakitic und Kuranyi Sportdirektor Andreas Müller als Buhmann ausgeguckt. Hat auch nichts genutzt, nach dem 0:2 unter der Woche gegen Man City verlor man am Sonntag mit selbem Ergebnis gegen den ebenfalls angeschlagenen VfB Stuttgart. Damit gingen vier der letzten fünf Partien verloren (unter anderem gegen Leverkusen und München), auf der Habenseite kann dagegen nur den Pflichtsieg gegen Mönchengladbach verbucht werden.
“Meinem” VfL kann ich nur auf den Weg geben: Siegt an einem anderen (Spiel-)tag. Zum Beispiel am nächsten in Frankfurt.
