7. Dezember 2008

Der 16. Spieltag: The Benny Situation

geschrieben von Martin um 19:11 Uhr – abgelegt unter: Spieltagsnachlese – Stichwörter: , , , , , , , ,

Ausnahmsweise starten wir heute mal mit der zweiten Liga. Am Freitag kam es am aachener Tivoli zum Showdown zwischen Alemannia Aachen und 1860 München. Das heißt Benny gegen Benny. Auer gegen Lauth. Wurde aber dann doch eher unspektakulär, Benny der erste (Auer) musste bereits nach 18 Minuten verletzungsbedingt ausgewechselt werden, Benny der zweite (Lauth) versemmelte eine Großchance, indem er freistehen vor Aachens Torwart Stuckmann den Ball am Tor vorbeischob. So kennen wir ihn ja.

Anschließend gab es in der ersten Liga das zum Spiel des Jahres hochsterilisierte Aufeinandertreffen zwischen Bayern München und der TSG Hoffenheim. Und ich bin mir sicher, hätte ProSieben die Bundesligarechte, hätte es mindestens ein TV-Movie mit anschließendem Galileo-Spezial zu dem Spiel gegeben. Premiere dagegen hypte das Spiel nicht nur, nein, sie ergänzten ihr Logo wieder mit dem Hinweis, dass die Übertragungsrechte bis zum Jahr 2525 beim Pay-TV-Sender bleiben.

Das Spiel hielt allerdings auch alles, was es vorher versprochen hatte. Hoffenheim fing sehr gut an und konnte die erste Halbzeit ausgeglichen gestalten, meiner Meinung nach sogar mit kleinen Vorteilen auf der hoffenheimer Seite. Nach der Pause traf Ibisevic (wer sonst?) mit seinem 18. Saisontreffer zum verdienten 0:1. Beeindruckend war dann, wie die Bayern den Schalter umlegen konnten und einen so ungeheuren Druck auf den Aufsteiger aufbauten, dass der Ausgleich dann nur noch eine Frage der Zeit war. Philipp Lahm machte das, was er am besten kann (“Costa Rica“) und der Ball zappelte im Netz. Die Bayern ließen auch nach dem Tor nicht nach und Hoffenheim kam nur noch zu wenigen Entlastungsangriffen. Der in der 88. Minute hatte es aber in sich. Nach schönem Doppelpass stand Salihovic plötzlich ganz frei vor Bayern-Torwart Rensing, schoss aber dann den Torwart an. Man kann jetzt den vielbeschworenen Bayern-Dusel wieder als Erklärung für den Bayern-Sieg heranziehen, damit macht man es sich aber zu einfach. Nachdem Luca Toni schon zwei Großchancen versemmelte, nahm er in der Nachspielzeit das Geschenk von Ibertsbeger an und bugsierte den Ball irgendwie an Haas vorbei ins Netz. Zeit und Entstehung des Tores sind zweifelsohne als glücklich zu bezeichnen, im Endeffekt war das Tor aber nur die logische Konsequenz aus dem immensen Druck der Münchener. Ich lege mich fest, wer solche Spiele gewinnt, wird auch Deutscher Meister.

Marcel Koller wurde ja schon immer vorgeworfen, dass er zu spät auswechseln würde. Beim Spiel in Frankfurt kam dann schon in der sechsten Minute René Renno für Joel Epallé. Gut, die Sache hat einen kleinen Haken, Renno ist Torwart, Epallé Feldspieler. Was war passiert? Marcel Maltritz spielte einen unnötigen Rückpass auf Daniel Fernandes, der unter der Woche wohl zu viel UEFA-Cup gesehen hat und wohl Portsmouths Torwart David James nacheifern wollte, indem er den Ball nicht auf die Tribüne pöhlte, sondern Frankfurts Martin Fenin anschoss. Doch wo “Calamity James” Misimovic noch laufen ließ, sprang Fernandes hinter Fenin her und brachte ihn zu Fall. Harte, aber regelgerechte Entscheidung: Elfmeter für Frankfurt, rot für Fernandes. Alle guten Vorsätze waren damit über den Haufen geworfen, 0:1-Rückstand und 84 Minuten mit zehn Spielern sind nicht gerade die optimalen Voraussetzungen, um der Abstiegszone zu entklettern. Damit ist Daniel Fernandes nun Rekordhalter: Das war der schnellste Platzverweis für einen Torwart in der Bundesliga! Ein Bärendienst für seine Mannschaft, in so einer Situation muss man natürlich einfach das Tor hinnehmen und nicht noch die rote Karte kassieren.

Der VfL kam aber zurück und kam auch über die starke rechte Seite mit Schröder und Freier zu einigen Torchancen. Vor der Pause hatte dann Marcel Maltritz seinen Aussetzer und Liberopolus setzte sich nach einer Flanke von Fenin gegen den Abwehrspieler durch und erzielte unbedrängt das 2:0. In der zweiten Halbzeit war dann auch endlich Ersatztorwart René Renno an der Reihe, auch er durfte seinen Blackout haben. Bei einer Freistoßflanke von Steinhöfer machte er zuerst zwei Schritte nach vorne, um dann aber ganz schnell einzusehen, dass das eine verdammt schlechte Idee war, denn der Ball segelte über ihn hinweg zum 3:0 ins Tor. Kurz darauf fiel das 4:0 und ich fühlte mich an das schlimme 2:6 unter Peter Neururer gegen Mainz erinnert.

Bemerkenswert ist noch, dass Paul Freier anscheinend der neue Thomas Zdebel sein möchte. Er bekam im 15. Spiel bereits die neunte gelbe Karte, damit führt er die Kartenrangliste unangefochten an. Allerdings ist es nicht so, dass bei Freier der Ellenbogen ein übliches Zweikampfwerkzeug ist, die meisten Karten resultieren aus mangelnder Antrittsschwäche. Nach einem Ballverlust bleibt ihm dann oft nichts anderes übrig, als den Konter durch ein Foulspiel zu unterbinden. Paul Freier war auch früher nie der Übertechniker, seine Antrittsschnelligkeit machte immer seine Stärke aus, ein, zwei Gegenspieler aussteigen zu lassen und bis zur Grundlinie vorzudringen. Doch diese Antrittsschnelligkeit hat er in Leverkusen leider verloren. Dadurch wirken seine Offensivaktionen auch häufig eher hilflos.

Derweil scheinen sich die Wegen von Bremen und Schalke zu trennen. Gemein ist beiden, dass sie bisher hinter ihren Ansprüchen zurückgeblieben sind, die Art des Umgangs mit der Krise in der Öffentlichkeit könnte nicht unterschiedlicher sein. Offene gegenseitige Schuldzuweisungen zwischen Ex-Trainer Slomka und Noch-Manager Müller und sonstwem auf der einen, zurückhaltende Selbstkritik der Bremer auf der anderen Seite. Die Wahrheit ist allerdings immernoch auf dem Platz, Schalke gewinnt 1:0 gegen Berlin, Bremen verliert 1:0 in Karlsruhe und verliert auch noch Pizarro durch eine rote Karte. Es könnte noch eine Sperre für Diego dazukommen, der sich in der letzten Minute zu einer Würgeattacke gegen Eichner hinreißen ließ. Der DFB-Kontrollausschuss hat bereits die Ermittlungen aufgenommen. Diego ist Wiederholungstäter, daher könnte es eine empfindliche Strafe für den Brasilianer geben. Allerdings könnte er dann auch Zeit haben – ganz Gentleman – mal für Sarah Connor Brötchen holen zu gehen.

Von meiner Seite ist damit alles gesagt, das Zitat des Tages stammt allerdings von Kommentator Marcel Reif: “Der Weihnachtsmann ist nicht der Osterhase”. Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

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